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„Verbrenner sind durch“

Unser Interview mit Mobilitätsexperte, Zukunftsforscher und Stromer Fahrer Lars Thomsen.

Stromer Fahrer Lars Thomsen
22.06.2022

 

Lars Thomsen gehört zu den weltweit führenden Trend- und Zukunftsforschern. Er ist gefragter Keynote-Speaker auf nationalen und internationalen Kongressen und gilt als einer der einflussreichsten Experten für die Zukunft der Energie, Mobilität und Künstlicher Intelligenz. Wir haben den original Hamburger Jung, der mit seiner Familie am Zürichsee lebt, gebeten, für uns in seine Kristallkugel zu schauen und uns seine Thesen und Zukunftsszenarien zur urbanen Mobilität und den Trends von morgen zu verraten.

 

Herr Thomsen, in einer utopischen Weltanschauung; Wie würde für Sie das Thema Mobilität in 30 Jahren aussehen?

Die Mobilität wird Mitte des 21. Jahrhunderts weitestgehend CO2-neutral sein, da das Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu Ende gegangen ist. Daneben wird der grösste Teil der Mobilität von Menschen und Gütern mit autonomen Fahrzeugen, Fluggeräten, Schiffen und in Tunneln und teil-vakuumierten Röhren stattfinden.
Rekreative Mobilität, die Spass, Erholung oder Sport einschliesst, wird aber auch in 30 Jahren für die Menschen einen wichtigen Stellenwert haben.

 

Was denken Sie, woran könnte diese Utopie scheitern?

Die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts, wie wir ihn derzeit erleben, könnte sich durch politische, gesellschaftliche und demografische Probleme verlangsamen. Aber die Geschichte zeigt, dass Innovation ein prägender Teil unserer Kulturgeschichte ist und bleiben wird – und das ist ganz tief in der menschlichen Natur verankert.

 

Zurück zur Wirklichkeit: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in Europa: Wo steht (urbane) Mobilität heute und wie werden wir uns in 520 Wochen resp. in Zukunft fortbewegen?
Welche Trends beobachten Sie in der Automobil-/Fahrradindustrie und im Beschaffungswesen.

Wenn man ehrlich ist, dann ist die derzeitige urbane Mobilität in der Regel ein riesiges Chaos mit enormem Verbesserungspotential. Der Trend, Metropolen liebenswerter, staufreier, leiser und schadstoffärmer zu machen, ist überall erkennbar – mit durchaus unterschiedlichen Ansätzen und Schwerpunkten. Wir beobachten derzeit einen Wettlauf der guten Ideen, wobei die Lösungen durchaus regional unterschiedlich ausfallen. Autos, in ihrer nun über 100 Jahre alten Form werden zunehmend aus den Städten verdrängt und machen den Weg frei für Fahrräder, Fussgänger, aber auch zunehmend kleine autonome Lieferdrohnen, welche zukünftig leise und unauffällig viele Versorgungsaufgaben übernehmen werden.

 

Verbrennungsmotoren werden durch Elektromotoren abgelöst, das Verkehrs- und Stauaufkommen nimmt weiter zu. Verkehrsplaner stehen vor riesigen Herausforderungen – gerade in Städten. Hat für Sie die Mobilität der Zukunft noch vier Reifen? Warum? Warum nicht?

Ja, Verbrenner sind durch und kommen nicht wieder (einige Oldtimer werden überleben). Die Frage, wie die Mobilität der Zukunft in Städten aussieht, macht sich jedoch nicht an der Form oder Anzahl der Räder eines Fahrzeugs fest. Vielmehr geht es um leise, effiziente und sichere Mobilitätslösungen für Menschen und Güter.

Da diese sehr unterschiedlich sind, wird sich die Bandbreite der Fahrzeugkategorien stark erweitern. Und vergessen wir nicht: Nicht alles muss auf der Straße oder dem Gehweg stattfinden: Tunnel, Röhren und die Luft sind dreidimensionale Räume, die unser bisheriges zweidimensionales Denken stark verändern werden. Jede Stadt wird in den 2030er Jahren vermehrt diese Möglichkeiten nutzen.

 

Wie stehen Sie zu Elektromotoren als Antrieb der Zukunft? Was könnten Chancen und Risiken von Elektromobilität sein?
Für Akkus werden Kobalt, Lithium, Graphit benötigt. Es wird davon gesprochen, dass Kobalt noch max. 11 Jahre zur 
Verfügung steht. Wie wirken sich Rohstoff-Engpässe auf die Preise aus? Wie sieht die Batterie von morgen aus?

Der Elektromotor wird die Motorenform der Wahl für fast alle Fahrzeuge der kommenden Jahrzehnte sein: Fahrräder, Autos, Flugzeuge, Schiffe, Roboter. Er ist so viel effizienter, wartungsärmer und zuverlässiger als Verbrennungsmaschinen. Die Speicherung der Energie in Akkus oder in Form von Wasserstoff ist eine grosse Veränderung und Herausforderung, aber durchaus machbar. Dabei kommt uns zugute, dass die für eine Batterie benötigen Materialen reichlich vorhanden und gut recyclebar sind. Viele der Diskussionen in der Öffentlichkeit zu diesen Themen sind nicht unbedingt sehr faktenbasiert. Der Kobalt-Anteil in modernen Batterien ist stark rückläufig – viele Batterien, bspw. die sehr verbreitete LFP-Batterie, haben gar keinen Kobaltanteil. Aber durch die hohe Nachfrage nach diesen Rohstoffen kommt es zwangsläufig zu Preiseffekten in den kommenden Jahren. Doch aus Sicht der Energie-Effizienz einschliesslich Batterieherstellung und -recycling ist der Batterie-elektrische Antrieb derzeit unschlagbar.

 

Wir haben gehört, dass Sie auch privat ein S-Pedelec/ Stromer fahren. Wie kamen Sie auf die Entscheidung sich ein Stromer zuzulegen und für welche Bereiche nutzen Sie es?

Ja, als der Stromer ST2 vor rund 10 Jahren vorgestellt wurde, war ich von der Technologie und den technischen Daten einfach begeistert. Es war das erste E-Bike mit „Over-the-Air-updates“, Rekuperation und einer App. Ich hatte damals mein erstes Tesla Model S bekommen und war der Meinung, dass dieses E-Bike in derselben Innovations-Liga spielte. Ich fahre das Bike noch immer und habe sogar schon eine Tour von Zürich an die Nordsee damit gemacht – aus einer spontanen Idee heraus. Hat super geklappt und so viel Spass gemacht. Im Alltag ist es eine gute Alternative zum Auto für die Fahrt entlang der Seestrasse von Stäfa nach Zürich.

 

 

Herr Thomsen, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Stromer Fahrer Lars Thomsen