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Zum Thema Sicherheit im Strassenverkehr und zum Fahrverhalten auf nasser Fahrbahn haben wir Experten des TCS und der bfu ein paar Fragen gestellt

S-Pedelec: Damit die schnellste Verbindung von A nach B im urbanen Raum auch sicher ist...

Wer mit einem S-Pedelec unterwegs ist, weiss, dass man damit schnell, machmal sehr schnell unterwegs ist. Im urbanen Raum sogar schneller als mit irgend einem anderen Verkehrsmittel. Natürlich wünscht man sich dafür auch eine stressfreie Fahrt und sichere Ankunft am Ziel. Von Experten der bfu und des TCS möchten wir wissen, was es dafür zu beachten und zu respektieren gilt.

Frage: Mit einem E-Bike kommt man im im urbanen Raum schnell voran. Das macht Spass und die Leichtigkeit des Vorankommens macht manchmal auch etwas (gar) mutig. Auf welche "inneren" Warnsignale sollte man achten?
TCS: Sobald man viel schneller als normale Velofahrer unterwegs ist, besteht die Gefahr, dass andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit falsch einschätzen.
bfu: Wenn sich durch die Geschwindigkeit ein unsicheres Bauchgefühl einstellt, sollte man auf jeden Fall soweit verlangsamen, bis man sich wieder im grünen Bereich fühlt. Aber natürlich sollte die Geschwindigkeit auch immer den Verhältnissen angepasst werden.

Frage: Der Helm schützt den Kopf. Was aber ist mit den Händen, die bei einem Sturz ja zu allererst Bodenkontakt haben? Welcher Handschutz macht Sinn, auch an heissen Sommertagen, an denen sich niemand Handschuhe wünscht?  

TCS: Wer die Hände als E-Bike-Fahfrer bestmöglich schützen möchte, müsste wohl auf leichte Motorradhandschuhe setzen.
bfu: Wer sich optimal schützen möchte, trägt auch im Sommer Handschuhe. Diese können im Falle eines Sturzes schmerzhafte Hautschürfungen verhindern. Der Fachhandel berät gerne und kompetent.

Frage: Mit anderen Verkehrsteilnehmern sollte man immer Augenkontakt haben, um sicherzustellen, ob man auch wahrgenommen wird. Wann sollte man vielleicht doch besser auf ein Vortrittsrecht verzichten?  
TCS: Andere Verkehrsteilnehmer nehmen auch ein E-Bike als normales Velo wahr, das mit etwa 15 km/h unterwegs ist. Wenn man mit einem schnellen E-Bike auf Kreuzungen, Kreisel, usw. zufährt, sollte man sich bewusst sein, dass man viel schneller unterwegs ist. Also bremsen, zu keinem Konflikt kommen lassen – Sicherheit geht vor.
bfu: Im Zweifelsfall sollte immer auf das eigene Vortrittsrecht verzichtet werden. Die Geschwindigkeit eines E-Bikes wird unterschätzt. Das hat auch mit der schmalen Silhouette zu tun. Im Vergleich zum Velo kommt hinzu, dass E-Bike-Fahrer öfters eine entspanntere Haltung und eine tiefere Pedalfrequenz haben, was ebenfalls zu einer Täuschung führen kann. Deshalb: defensiv fahren!

Frage: Auch der Bremsweg wird oft unterschätzt. Was gilt es als E-Bikefahrer zu beachten, wie bremst es sich am effizientesten, kann man bei einer Vollbremsung auch gleichzeitig ausweichen?
 
TCS: E-Bikes haben vergleichsweise effiziente Bremsen. Die Voraussetzung für einen kurzen Anhalteweg ist allerdings, dass der Fahrer sein Bike beherrscht. Bei einer Vollbremsung hat das Hinterrad, wenn überhaupt, nur noch wenig Bodenkontakt. Ein gleichzeitiges Ausweichen ist so kaum noch möglich.
bfu: In erster Linie sollte natürlich nur so schnell gefahren werden, dass man im Notfall noch rechtzeitig zum Stillstand kommt. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Bremstechnik zu üben und allenfalls einen Kurs zu besuchen (z.B. TCS, Pro Velo, Bike-Schulen).

Frage: Bei Regen und nasser Fahrbahn ändert sich das Fahrverhalten. Gibt es für E-Bike-Fahrer neben Gefühl und Verstand auch Regeln, die man sich merken sollte? Beim Anfahren einer Kurve? Wie ändert sich das Verhalten bei Schräglage, wann rutscht ein Rad vorne oder hinten weg, wie kann man das verhindern? Was gilt es bei Talfahrten zu beachten, wie bremst man bergab?

TCS: Vor der Kurve bremsen, niemals in der Kurve. Die Kurve bei Nässe langsamer durchfahren als bei trockener Fahrbahn. Hektische Schwenker und Lenkerbewegungen vermeiden. Sanfter bremsen, also auch bergab etwas langsamer fahren. Die meiste Bremskraft wird über das Vorderrad übertragen. Wenn das Vorderrad blockiert, ist der Sturz meist unausweichlich. Bergab hat man bei Nässe also einen viel längeren Bremsweg als auf griffiger Fahrbahn. Vorderradbremse fein und mit Gefühl dosieren.
bfu: Bremsen in Kurven ist generell heikel. Das Bremsverhalten hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. von der Geschwindigkeit, vom Pneu, vom Strassenbelag und vom Strassenzustand. Auf jeden Fall sollte vor der Kurve gebremst werden. Mit den Fahreigenschaften des E-Bikes muss man sich vertraut machen. Auch dafür empfehlen wir Techniktrainings und Kurse.

eine letzte Frage noch: Im Strassenverkehr ist ein Miteinander immer besser. Welche Regeln gilt es zu beachten – in Fussgängerzonen, welche auf gemeinsamen Radwegen?
TCS: Die gemeinsamen Rahmenbedingungen definiert das Gesetz, welches auch ein E-Bike-Fahrer einhalten muss. Innerhalb dieser Leitplanken gibt es jedoch viel Spielraum für eine rücksichtsvolle, vorausschauende und auch tolerante Fahrweise. Man kann anderen auch mal einen Fehler verzeihen und sich bewusst sein, dass Hektik und Druck im Strassenverkehr durchaus auch riskant sein können.
bfu: Die Fussgängerzonen sind den Fussgängern (und den Benützern von fahrzeugähnlichen Geräten wie z.B. Trottinett) vorbehalten. Wird der Fahrradverkehr ausnahmsweise zugelassen, darf höchstens Schrittempo gefahren werden. Lenker von schnellen E-Bikes mit Tretunterstützung bis 45 km/h müssen den Motor ausschalten. Allgemein sollte man sich in die Perspektive der anderen Verkehrsteilnehmer hineinversetzen und Rücksicht nehmen.

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