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Interview mit Filippo Galli, Ingenieur in der Abteilung für Forschung und Entwicklung von Pirelli

Herr Galli, Sie sind Ingenieur in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Pirelli. Die Technologie der verschiedenen Gummimischungen und eines jeweils dazu passenden Profil-Designs sind hochkomplex, das wissen wir vom Motorrennsport. Doch selbst die Rennsportpiloten der Formel 1 und Moto-GP müssen erst einmal jeden Gummi testen, bevor sie verstehen, wofür er gut ist und wie man ihn fahren muss. Jetzt hat Pirelli auch für E-Bikes spezielle Reifen entwickelt. Bitte erklären Sie uns, welche Vorteile uns diese exklusiven Reifen in unserem Velo-Alltag bringen...

Als E-Bike-Fahrer würde man wohl den neuen PZero Velo 4S wählen, er ist für jeden Einsatz geeignet. Wer sollte denn den PZero Velo fahren und für wen ist der PZero Velo TT gedacht? Wir können ja nicht bei den dauernd wechselnden Bedingungen im Strassenverkehr einen Boxenstopp einlegen...

Sowohl der PZero Velo, PZero Velo 4S als auch der PZero Velo TT gehören zu den High-Performance Rennpneus. Der PZero Velo ist der beste Allrounder in unserem Produktprogramm. Das bedeutet, dass alle wesentlichen Leistungsmerkmale wie Rollwiderstand, Nass-/Trockenhaftung und Handling, Pannensicherheit, Gewicht und Laufleistung optimal für den Radrennsport ausgelegt sind. Der PZero TT ist ein Reifen der Extreme. Er ist unglaublich schnell und leicht, mit nur geringen Abstrichen bei der Laufleistung und Pannensicherheit. Somit ist er für Zeitfahrwettbewerbe, Bergzeitrennen und den Bahneinsatz prädestiniert - oder anders ausgedrückt, wenn jede Sekunde zählt. Der PZero Velo 4S wurde für besonders harte Einsatzbedingungen entwickelt - bei nassen Strassen und Kälte. Für diesen Einsatzzweck wurde das Profil dicker und eine spezielle Gummimischung gewählt. Dank unserer SmartNet Silica Gummimischung müssen wir jedoch in puncto Rollwiderstand und Abnutzung keine Leistungseinbussen hinnehmen. Da unser Know-how mit der Entwicklung dieser drei Reifenkategorien stets zugenommen hat, haben wir uns dazu entschlossen ausgehend vom PZero Velo 4S einen speziellen E-Bike-Reifen zu entwickeln. Durch unseren Erfahrungsschatz von den Strassenrennen hinsichtlich Struktur und Mischung sowie unser fundiertes Wissen aus dem Bereich der Motorradreifenentwicklung insbesondere in puncto Laufflächenmuster sind wir imstande, ein Produkt zu entwickeln, das in diesem Segment neue Massstäbe setzt.


Gummimischungen entstehen in hochkomplexen Prozessen. Beim PZero Velo sprechen Sie von 17 Elementen. Erklären Sie uns bitte allgemeinverständlich, warum das so sein muss.

Jeder einzelne Bestandteil in einer Gummimischung übernimmt eine andere Aufgabe. Polymere bilden die Hauptmatrix, Füller dienen der Verstärkung der Mischung, Härter, um die Polymere zu vulkanisieren sowie Schutzmittel, um die Oxidationsbeständigkeit zu erhöhen, etc. Jede Mischung besteht aus unterschiedlich vielen Bestandteilen.
Bei der Entwicklung der PZero Velo Mischung beschlossen wir 17 Bestandteile zu nutzen.

 

Was macht z.B. einen Gummi elastisch, weich oder härter, was macht ihn rutschfest, wie erhält ein Reifen ein flüssiges Fahrverhalten?

Die Elastizität einer Mischung wird hauptsächlich von den Schwefelbrücken bestimmt, welche die Polymerketten vernetzen - oder anders ausgedrückt - die Vulkanisation. Darüber hinaus kann die allgemeine Härte durch die Verwendung von Weichmachern beeinflusst werden - um die Härte zu verringern - oder sie mittels Füller zu erhöhen. Anti-Rutsch-Eigenschaften und geschmeidiges Abrollverhalten sind hingegen ziemlich schwierig zu beschreiben. Sie resultieren aus der perfekten Balance aller physikalischer Eigenschaften der Reifenmischung (z. B. Steifigkeit, Elastizität, Plastizität, Verformbarkeit, Anisotropie usw.) und den chemischen Wechselwirkungen (aufgrund spezieller Inhaltsstoffe wie z. B. SmartNet Silica).

 

Auch das Design eines Reifenprofils ist für das Fahrverhalten von hoher Bedeutung. Was macht ein gutes Profil aus?

Die Eigenschaften der Lauffläche werden auf Grundlage der Mischung, dem Reifenmuster und Reifenprofil abgestimmt. Die Mischung haben wir in den beiden vorangegangen Fragen behandelt. Wie dem auch sei, alle statischen und dynamischen Kräfte werden vom Fahrrad auf den Asphalt übertragen und umgekehrt, und das auf einer sehr kleinen Fläche, dem Reifenabdruck. Daher sind die Form des Abdrucks und die Druckverteilung innerhalb dieses Abdrucks wichtige Kriterien beim Reifendesign. Basierend auf der Form des Profils und auf dem Laufflächenmuster können wir die Rundheit des Reifenabdrucks und dessen Fläche bestimmen und somit eine gleichmässige Druckverteilung erreichen. Druckspitzen müssen dabei grundsätzlich vermieden werden, da sie sowohl die Abnutzung der Lauffläche als auch die maximale Haftung negativ beeinflussen.

 

Es gibt Profile, die bei warmen Temperaturen besser sind als bei Kälte, sich bei trockener oder nasser Fahrbahn anders verhalten... Als täglicher E-Bike-Fahrer will man aber einen Reifen, mit dem man immer fahren kann, egal bei welchen Bedingungen... geht das nicht?

Die drei Konstruktionsparameter einer Lauffläche (d. h. Mischung, Muster und Profil der Lauffläche) sind stets voneinander abhängig, und sie können genau aufeinander abgestimmt werden, um die perfekte Balance der wesentlichen Leistungsmerkmale zu erlangen, die dem Reifen seine Allroundeigenschaften verleihen. Zum Beispiel ist es allgemein bekannt, dass die Rillen in der Lauffläche dafür verantwortlich sind, dass das Wasser besser abfliessen kann. Wenn sie allerdings richtig ausgeformt sind, fungieren sie als Scharnierpunkte in einem robusten Profil. Das bedeutet, dass sie unter besonderen Bedingungen wie beim Bremsen oder in Schräglagen dafür sorgen, dass sich die Mischung weicher verhält, wodurch sich die Aufwärmzeit verkürzt und sich der Reifenabdruck vergrössert und gleichmässiger ausformt. Die offensichtliche Folge ist einerseits eine bessere Haftung und zugleich ein geringerer Verschleiss Dank der Mischung. Das patentierte Profil, das aus dem Motorrad-Bereich stammt, hilft dabei alle diese Mechanismen in den unterschiedlichen Fahrsituationen auszulösen.

 

Der PZero Velo TT ist speziell geeignet bei Nässe. Was macht ihn denn so viel besser als den Allrounder PZero Velo? Für wen lohnt es sich, den "TT" zu montieren?

(Ich denke, die Frage sollte anders formuliert werden): Der PZero Velo TT wurde für Radfahrer entworfen, die maximale Performance im Wettkampf oder bei einer Meisterschaft suchen und dabei bereit sind, auf eine hohe Laufleistung zu verzichten und das höhere Risiko durch einen Reifendefekt zu tragen. Die dünnere Lauffläche und die spezielle Mischung tragen dazu bei, dass dieser Reifen zu den leichtesten und schnellsten auf der ganzen Welt zählt. Die Pirelli Mischung sorgt Dank SmartNet Silica für ausgezeichnete Handling- und Grip-Eigenschaften und macht den TT somit zur ersten Wahl in der Kategorie der Super-Leichtreifen.

 

Der PZero Velo 4S scheint immer die richtige Wahl zu sein, ob im Sommer oder Winter, ausserdem ist er wohl der robusteste Reifen. Ist er für den Alltag nicht die einzig richtige Wahl... oder ist er weniger sportlich, fährt er langsamer?

Der PZero Velo 4S ist ein Strassenrennreifen, der entworfen wurde, um Höchstleistungen unter sehr harten Einsatzbedingungen zu ermöglichen, insbesondere auf kalten und nassen Untergründen, die zum Teil leicht verschmutzt sind. Um dies zu ermöglichen wurde die Laufflächenmischung genau auf diese Situationen abgestimmt, ohne dass dabei andere wesentliche Leistungsmerkmale auf der Strecke geblieben sind - Dank SmartNet Silica. Zusätzlich wurde die Mischung durch einen Kevlar-Pulp verstärkt, wodurch der Reifen widerstandsfähiger gegenüber Einstichen und Schnitten wird, die bei schlechten Wetterbedingungen kritischer sind. Der 4S verfügt jedoch über eine dickere Lauffläche als der PZero Velo, der ausserdem eher eine Allround-Mischung hat. Folglich ist er auch etwas schwerer und nicht so schnell wie der PZero Velo, der nach wie vor die erste Wahl ist, wenn es um reine Performance bei guten Wetterbedingungen geht.

 

Für einen E-Biker zählen wohl die Eigenschaften Grip, Rutschfestigkeit und Laufeigenschaften zu den wichtigsten Argumenten, erst dann kommen Komfort und Dauerhaftigkeit. Sehen Sie das als Pirelli-Ingenieur auch so? Oder setzen Sie andere Prioritäten?

Sicherheit, Sicherheit und nochmal Sicherheit - das ist das Hauptaugenmerk bei einem Reifen für Pendler. Die Sicherheit des Pendlers steht an oberster Stelle, egal ob auf trockenen oder auf nassen Strassen oder sonstigen Belägen, auf denen er in Stadtgebieten unterwegs ist, seien es rutschige Betonbeläge oder nasse Bahnschienen. Daher konzentrieren wir uns stark auf Grip und Rutschfestigkeit. Gleichzeitig muss sich der Pendler darauf verlassen können, dass er ohne Panne wie z. B. ein Plattfuss ans Ziel kommt. Eine widerstandsfähige Mischung und Gewebeschichten von Wulst zu Wulst gewährleisten einen guten Schutz gegenüber Einstichen und Schnitten sowohl auf der Lauffläche als auch an den Seitenwänden. Auf der anderen Seite möchte Pirelli aufgrund seines Engagements im Motorsport dem Fahrer mit seinen Produkten stets die Freude am Fahren vermitteln. Das bedeutet, dass alle Pirelli Produkte - selbst die, die nicht für den sportlichen Einsatz konzipiert sind - über sehr gute Fahreigenschaften verfügen, was jede Fahrt zu einem Erlebnis mit Spassfaktor werden lässt.

 

Ach ja, da wäre doch noch der Reifendruck, ein oft unterschätztes Thema. Bitte sagen Sie uns, worauf ein E-Biker unbedingt achten muss, damit er immer auf Nummer Sicher fährt?

Der richtige Reifendruck ist ein Thema, das bei Pendlerfahrten stets unterschätzt wird. Der Einfluss des Reifendrucks ist jedoch sehr wichtig, da er die Sicherheit, die Fahreigenschaften und die Abnutzung bestimmt. Im Falle von schnellen E-Bikes, die in puncto Geschwindigkeit näher an Mopeds als an gewöhnliche Fahrrädern heran kommen, ist dies von noch grösserer Bedeutung. Deshalb muss man den Reifenluftdruck im Auge behalten - und der E-Biker sollte stets mit den empfohlenen Luftdrücken fahren. In erster Linie geht es um die Sicherheit, jedweder Gefahrensituation vorzubeugen, so wie etwa Reifenplatzer. An zweiter Stelle geht es darum, die Eigenschaften eines Reifens vollständig auszunutzen (z. B. Grip, Handling sowie Rollwiderstand) und schließlich darum, vorzeitigen Verschleiss zu vermeiden. Ein Reifen kann seine Eigenschaften optimal unter Beweis stellen, wenn er mit dem vorgegeben Luftdruck gefahren wird.

 

...eine letzte Frage noch: Worauf sollte ein E-Biker beim Kauf achten und warum ist Pirelli die richtige Wahl?

Die Kriterien, nach denen ein E-Biker einen Reifen auswählen sollte, sind Sicherheit im alltäglichen Einsatz, Schutz vor Einstichen und Schnitten sowie Laufleistung und Rollwiderstand, um den Akku zu schonen. Pirelli garantiert Dank seines Know-how bei der Entwicklung von Gummimischungen und dem Reifendesign in allen Bereichen jeweils die beste Leistung. Darüber hinaus ist es Pirellis Bestreben, dass der E-Biker Spass hat und beim Fahren ein sportliches Fahrgefühl vermittelt bekommt. Stromers ST5 ist Dank seiner Power, der langen Akkulaufzeit und seiner speziellen Geometrie näher an einem Motorrad dran als an einem Fahrrad - und somit benötigt es letztendlich auch einen richtigen Reifen. Pirellis extra für Stromer entwickelter Cycl-E mit seinem patentierten Profil, in das sämtliche Erfahrungen aus dem Motorrad-Bereich geflossen sind, in Verbindung mit einem motorsportorientierten Laufflächenmuster ist genau das, was so ein Gefährt benötigt. Und natürlich ergeben alle diese Faktoren unterm Strich einen sehr coolen, ja, einzigartigen Reifen.

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